Leben Gesucht…Wanted: A Life - auf Verlagssuche !
Da lag sie nun. Eingewickelt in 2 Decken in ihrem Bett und starrte zum Fenster hinaus. Es gab dort nichts zu sehen – nur viele graue tief hängende Wolken, die nicht zuließen, dass man bereits an Frühling denken konnte.
Nein, wahrlich zu sehen war dort nichts und dennoch soviel.
Sara griff zu ihrer allmorgendlichen Kaffeeration und ließ ihren Blick auf ihren Wecker fallen. Mist, schon wieder so spät!
Umziehen, waschen, Zähneputzen – immer der gleiche Stress am Morgen, weil das Bett zu bequem ist und die Knochen zu müde sind.
Aber wie heißt es doch so schön: Arbeit ist das halbe Leben.
Mit diesen Gedanken im Kopf ließ Sara ihren Blick durch ihr Zimmer schweifen und blieb an dem offenen Kleiderschrank hängen. Sie konnte sich ein resigniertes Kopfschütteln nicht verkneifen.
Schwarz als grundlegende Farbe bei Kleidung war schon okay, aber wie wäre es mal mit ein bisschen Farbe in ihrem Leben. Wie wäre es überhaupt mal mit ein bisschen Leben in ihrem Leben!
Morgendliche Weltuntergangsstimmung kombiniert mit einer typischen „ich habe nichts Anzuziehen“ Depression und dem leichten Anflug von Übelkeit im Magen – Darmbereich und einem stärker werdenden Pochen in ihrem Kopf.
Genau die richtige Verfassung, um sich auf einen wunderschönen, arbeitsreichen ersten Tag im neuen Büro zu freuen.
Nun, dann ran an den Feind und raus aus den Federn.
Natürlich erst mal auf den Weg ins Bad gemacht, so eine kalte Dusche soll bekanntlich fast tote Lebensgeister wecken. Gut, dass ihre Mitbewohnerin Jerry heute anscheinend nicht da war. So konnte sie ungestört in ihrem Selbstmitleid, wie hart und farblos ihr Leben doch sei, baden – ohne sarkastische Kommentare oder gar spöttisches Gelächter über sich ergehen lassen zu müssen.
Das war Jerrys Spezialität: spöttisches Gelächter.
Manchmal war sie so unglaublich direkt und unverfroren mit ihren Bemerkungen, dass allein schon die Worte an sich ausgereicht hätten, um Sara zu frustrieren.
Aber dann kam der krönende Abschluss eines jeden Vortrages: linke Augenbraue hochziehen, Kopf leicht in den Nacken fallen lassen und dann, ja dann hatte Sara jedes Mal das Gefühl von einem Maschinengewehr durchsiebt zu werden, so hart traf jeder Ton des Lachens Marke Jerry.
Jerry hieß natürlich nicht wirklich Jerry. Der Name, den ihre Eltern ihr gegeben hatten am Tag ihrer Geburt war Jennifer. Um präzise zu sein: Jennifer Maria Juliana Hedwig von Kleist. Benannt nach allen erfolgreichen weiblichen Mitgliedern der von Kleist Dynastie, welche sich durch mehr auszeichneten, als nur ihrem Mann zu dienen und Kinder in die Welt zu setzten. Die Damen von Kleist, die der Namensgebung dienten, hatten sich durch viele Eigenschaften aus der Masse abgehoben, vor allem aber durch das kontinuierliche Vermehren der weltlichen Güter, wodurch sich im Laufe der Jahrzehnte eine ganz nette Summe angesammelt hatte – wie sich Jerry auszudrücken pflegte.
Natürlich hatten auch die Männer in der Familie dazu beigetragen, dass das Vermögen der von Kleist immer weiter wuchs, aber ausschlaggebend für die nicht so ganz genau bekannte wahre Größe der finanziellen Mittel waren eben jene 4 Damen gewesen. So hofften die Eltern des jüngsten Sprosses, dass ihre Tochter auch einmal zur Weiterentwicklung des Familien Vermögens beitragen würde. Entweder, wie zum Beispiel „Patentante“ Nummer 4 Hedwig von Kleist, die, nach ihrer Heirat mit dem erfolglosen aber liebenswerten Künstler von Kleist, durch äußerst intelligent gewählte weitere Eheschließungen den Grundstein für das Vermögen gelegt hatte. Konnte man den Überlieferungen Glauben schenken, dann war Hedwig von Kleist die Marilyn Monroe ihrer Zeit gewesen, die nach dem plötzlichen Tod ihres geliebten Gatten, geschworen hatte, den Namen von Kleist bekannt zu machen. So hatte sie die beste Art gewählt, sich und ihren Namen, auf den sie immer bestand, berühmt zu machen: sie heiratete äußerst wohlhabende ältere Männer und überlebte sie allesamt als jeweilige Alleinerbin. So brachte Hedwig von Kleist insgesamt 7 Ehen zustande, aus denen neben 5 Söhne und 3 Töchtern auch eine große Menge Geld hervorging ...
(by Sabine Pollok)